Berit Groß

Mein Name ist Berit Groß.
Ich bin arbeite seit 1999 selbstständig in Berlin – Prenzlauer Berg in meiner Praxis. Gegenwärtig unterstützen mich 2 Logopädinnen. Eine Vollzeitstelle ist seit 2 Jahren unbesetzt, weil der Logopädenberuf finanziell unattraktiv ist. Gegenwärtig warten Neuanmeldungen 6 Monate und mehr, um einen Therapieplatz zu bekommen, selbst wenn sie zeitlich völlig flexibel sind.
Als ich mich 1999 selbständig gemacht habe, habe ich durchschnittlich 29,86 Euro pro Therapieeinheit von den Krankenkassen bekommen. Bis zum Jahr 2016 hat sich dieser Betrag auf 36,54 Euro erhöht, d.h. innerhalb von 16 Jahren kamen 6,68 Euro hinzu. Wenn ich in den 16 Jahren zumindest jedes Jahr soviel mehr bekommen hätte, wie die durchschnittliche Inflation (1,9 %), dann hätte ich im Jahr 2016 pro Therapieeinheit 41,12 Euro bekommen müssen. Da ich 2016 nur 36,54 Euro bekommen habe, habe ich nach Abzug der Inflationsrate im Grunde 2016 pro Therapieeinheit weniger Geld bekommen als im Jahr 1999.
Der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat insbesondere auch durch das Engagement von LOGO Deutschland dafür gesorgt, dass das TSVG (Terminservice- und Versorgungsgesetz) in Kraft tritt. Dieses Gesetz gibt uns jetzt EINMALIG (!) die Möglichkeit, die Einnahmen pro Therapieeinheit zu verhandeln. Das Ergebnis dieser Verhandlung wird dann für die Zukunft maßgeblich sein. Wir können nur JETZT (!) einen großen Sprung nach oben machen. Ab 2021 tritt dann automatisch wieder die Regelung ein, die wir von 1999 bis 2016 hatten – minimale Steigerungen unterhalb der Inflation.
Wenn Therapeut*innen glauben, wir könnten 2021 nachverhandeln, dann ist das falsch. Diese Verhandlungsmöglichkeit besteht nur JETZT!
Ich möchte meine Angestellten für ihre qualitativ hochwertige, komplexe und verantwortungsvolle Arbeit angemessen bezahlen. Deshalb liegt ein wirtschaftlicher Preis für unsere therapeutische Leistung bei 45 Minuten am Patienten, einschließlich der erforderlichen Vor- und Nachbereitungszeiten, aus meiner Sicht bei 85,00 – 90,00 €. Nur so kann ich alle laufenden Kosten finanzieren, meine Mitarbeiterinnen leistungsgerecht bezahlen, den Lebensunterhalt für meine Familie verdienen und gleichzeitig für meine spätere Rente sorgen. Letzteres ist bisher auf der Strecke geblieben. Ich habe Angst vor Altersarmut, obwohl ich immer gearbeitet habe und es für mich weder Mutterschutz noch Erziehungszeiten gab.
Unsere hochqualifizierte Arbeit muss endlich leistungsgerecht bezahlt werden. Wir haben mit dem TSVG erstmals eine wirkliche, aber einmalige Chance auf wirtschaftliche Preise. Wenn wir diese Chance jetzt nicht nutzen, dann ist den Therapeuten nicht mehr zu helfen – dann soll hinterher auch keiner jammern, dass wir so schlecht bezahlt werden.
Als Mitglied von LOGO Deutschland werde ich nach dem 14.12.2020 über den Preis abstimmen können. Sollte dieser bei unter 85 € liegen, sage ich NEIN! Ich möchte für meine Arbeit, die ich liebe, endlich das Geld bekommen, was sie wert ist.

Kommentarfunktion ist ausgeschaltet.