Demo Berlin

Sarah Strahl berichtet:

Nach der Demo ist vor der Demo!

Als wir am 26.05.2018 nach Köln reisten, um zu demostieren war uns bereits klar, dass wir natürlich auch in Berlin (05.06.2018) präsent sein müssen! Mein Praxisteam hielt für mich an meinen  beiden Praxisstandorten die Stellung und ermöglichte es mir somit an der Demo in Berlin teilzunehmen. Gegenüber den aufgebrachten 1240 Kilometern nach Köln (hin und zurück), war Berlin mit 2.5 Stunden Autofahrt noch sehr gut möglich! Es ging also  mit Partner und Hund zum Bundesministerium für Gesundheit. Vor Ort konnten Kontakte geknüpft und viele, interessante Gespräche geführt werden. Ab 10.15 Uhr ging es so richtig los! Die Demonstranten blockierten die gesamte Straße vor dem Bundesministerium. Der Platz war übersäht von Plakaten und Schildern und die ohrenbetäubenden Trillerpfeifen, von denen auch ich einige verschenkte, ließen fordernde, entschlossene Stimmung aufkommen! Es waren Vertreter aller Heilmittelerbringer vor Ort – auch Schulen, Auszubildende, Studenten und Patienten nahmen an der Protestaktion teil. Viele Passanten wurden auf unsere Aktion aufmerksam und sprachen verschiedenste Demonstrationsteilnehmer und auch mich an. Sie wollten wissen, worum es bei unserem Protest geht! Alle Fragenden waren aufgeschlossen, reagierten aber mit Unkenntnis und schockiertem Staunen auf die prekäre Situation der Therapieberufe.

Um 10.35 Uhr war es soweit: Mehr als 300 Fahrraddemonstranten, ganz vorne dabei „unser“ Heiko Schneider, konnten von uns gebührend in Empfang genommen werden. Einige Teilnehmer weinten und auch ich konnte während meiner Facebook-Live-Schaltung meine Tränen nicht mehr unterdrücken. Es war unfassbar laut, aber wunderbar und emotional zu sehen, wie aus der Bewegung eines Einzelnen, eine Sache aller geworden ist! Heiko sehe ich als Sprachrohr der gesamten Therapeuten, denn nahezu jeder kennt die Situation, die er in seinem Brandbrief beschreibt.

Die Teilnehmer sammelten sich und Heiko und das TAL-Team, sichtlich stolz, sprach kurz zu den Demonstranten. Sein Vorhaben, die gesammelten 700 Briefe im Bundesministerium für Gesundheit an Herrn Spahn zu übergeben, scheiterte bereits am Pförtner – eine riesige Enttäuschung für alle! Mittlerweile (Stand: 06.06.2018) wurden die Briefe aber allesamt übergeben!

Zum Mittag fanden wir uns in einer Pizzeria wieder und ich hatte Zeit Therapeuten aus anderen Fachbereichen und auch das TAL-Team  kennenzulernen. Besonders freute ich mich darüber, die Vorstandsvorsitzende Diethild Remmert von Logo Deutschland persönlich kennenzulernen. Nachdem ich viele Jahre Mitglied in einem großen Berufsverband war, mir aber Aktionen neben den Kassenverhandlungen, Präsenz und Nähe zu den Mitgliedern fehlten und ich negative Erfahrungen mit der Beratung sammeln durfte, war ich 2 Jahre verbandslos. Seit diesem Jahr habe ich mich aber für die Mitgliedschaft bei LOGO Deutschland entschieden, da es für mich klar ist, dass nur starke Verbände uns alle voran bringen können. Für mich kam nur LOGO Deutschland  in Frage, weil ich hier meine Interessen als Praxisinhaberin im Vordergrund sehe. Wenn es mir wirtschaftlich gut geht, kann ich auch für meine Mitarbeiter faire Rahmenbedingen schaffen und angemessene Löhne zahlen. Ich verfolge mit Spannung die neuesten Geschehnisse!

Was soll sich meiner Meinung nach ändern? Ich wünsche mir:

I        faire Kassensätze von mindestens 1,50 € pro Minute

I        Berichte, die aus Zeitgründen sowieso von den meisten Ärzten nicht gelesen werden, müssen angemessen vergütet werden – es steckt UNSER  Fachwissen in jeder Zeile!!!

I    Es muss freien Praxen möglich sein das Lohnniveau wie in der Klinik an die
Mitarbeiter zu zahlen, sonst haben wir bald keine Praxen mehr!!!

I    Der Bürokratiewahnsinn muss abgeschafft werden und die aufgebrachte Zeit muss
abrechenbar sein!

I    Schulgeldfreiheit und Reformierung der Ausbildungs- bzw. Studieninhalte!

I    Für erbrachte Leistungen darf es keine Absetzungen geben, nur weil ein Kreuz auf dem Rezept falsch gesetzt wurde! (Blankoverordnung?)

I    Sitz und Stimme im gemeinsamen Bundesausschuss – Mitbestimmung!!!

I    Abschaffung von Regressen und Budgetierungen seitens der Ärzte – es geht um das Patientenwohl!

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