EINKOMMEN: HANDLUNGSBEDARF BLEIBT

BGW- Zahlen aus dem Pandemiejahr 2020 analysiert:

  • Anzahl und Größe der Praxen nahezu unverändert
  • Versorgungssicherung weiterhin durch Solopraxen
  • Angestelltengehälter um weitere 5,11% gestiegen
  • Fachkräftemangel bleibt

Tarifgehälter in Freien Praxen bleiben in weiter Ferne, Solopraxen leisten immer noch Mehrarbeit, um einen entsprechenden Gewinn zu erzielen. Kurz: Die logopädische Versorgung bleibt durch mangelnde monetäre Anerkennung gefährdet! Grund genug, nach BERLIN zu fahren!

LOGO Deutschland hat erneut die logopädiespezifischen Zahlen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) analysiert. Wichtig zu wissen: Die BGW Statistik erfasst ALLE Angestelltenverhältnisse einschließlich geringfügiger Beschäftigung, wie sie oft für Reinigungs- und auch Verwaltungskräfte eingegangen werden. Die Zahlen beziehen sich also NICHT allein auf therapeutisch tätige Angestellte.

Im Detail: Mit 8456 Unternehmen gab es 2020 acht Unternehmen mit dem Hauptgeschäft „Logopädie“ weniger als 2019. Die Zahl der Betriebsstätten stieg um 40 auf 9661. Dies zeigt eine bundesweit annähernd stabile Anzahl an logopädischen Praxen im letzten Jahr. Erfreulich ist, dass sich die Zahl der Praxen durch die Pandemie nicht deutlich reduziert hat, hier mag der Rettungsschirm ein unterstützender Faktor gewesen sein. Leider ist aber auch kein relevanter Zuwachs an Praxen zu erkennen, der in Zeiten des demografischen Wandels und langer Wartelisten sowie im Angesicht des Anstiegs der logopädischen Aufgaben in der medizinischen Versorgung dringend nötig wäre, um den Bedarf an ambulanten logopädischen Leistungen zu sichern und eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.

Aber nicht nur die Anzahl, auch die Größe der Praxen blieb im Jahr 2020 weitgehend stabil. 44,49% der Praxen beschäftigten gar keine Mitarbeitenden. 66,74% hatten maximal 2 Mitarbeitende, wobei hier auch geringfügig Beschäftigte mitzählen, von denen wiederum etliche als Reinigungskraft beschäftigt sein dürften. Die Versorgungssicherung für logopädische Leistungen übernehmen in Deutschland weiterhin die Solopraxen.

Insgesamt gab es 2020 nur 135 Angestellte mehr in den Praxen. Diese Zahl ist deutlich geringer als die der Logopäd*innen, die – allein in NRW – jährlich ihre schulische Ausbildung abschließen. Dies zeigt, dass die Zahl der Berufsanfänger*innen, die in Praxen mit ihrer Berufstätigkeit starten, kaum die Zahl der in Rente gehenden oder aus anderen Gründen ausscheidenden Kolleg*innen übersteigt. Gründe hierfür könnten u.a. das weiterhin viel zu niedrige Gehalt der Therapeut*innen in den Praxen und eine damit verbundene Abwanderung in andere Berufe sein, oder aber ein Berufsstart in Kliniken ebenso wie eine nicht dem Bedarf angepasste Zahl an (kostenfreien) Ausbildungs- bzw. Studienplätzen.

Obwohl es in 2020 keine Erhöhung der Honorare der gesetzlichen Kassen und zusätzlich erhebliche Umsatzeinbußen bei gleichzeitigen Kostensteigerungen durch die Pandemie gab, stiegen die Entgelte der Mitarbeitenden durchschnittlich um weitere 5,11%, nachdem sie bereits in 2019 um 15,07% erhöht wurden.

Trotz dieser weiteren Erhöhung lagen die Gehälter der angestellten therapeutischen Mitarbeitenden weiterhin deutlich unter einem entsprechenden Tarifgehalt: Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit gibt ein mittleres monatliches Bruttoentgelt von 2575,- € für 2019 an, wobei in diese Statistik alle Angestellten in der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie eingehen, also auch die in einer Klinik oder ähnlichen Einrichtung Tätigen.

Die Zahlen für 2020 liegen hier noch nicht vor, aber wir haben nachgerechnet: Bei einer Erhöhung der Gehälter um gut 5% müsste das mittlere gezahlte Gehalt bei etwa 2703,- € liegen. Nehmen wir diese Zahl als Bezugsgröße, wird die Differenz zwischen Tarifgehalt und dem Gehalt in den nicht tarifgebundenen Praxen eindrücklich deutlich:

Ein TVöD – Bund Bruttogehalt in der Entgeltgruppe 9a für Kolleg*innen mit 6 Jahren Berufserfahrung lag Mitte 2020 bei 3673,23 €(inkl. Sonderzahlung). Der Gehaltsunterschied zwischen TVöD-gebundenen Einrichtungen und Freien Praxen beträgt somit 900 – 1000 €.

 Um in Freien Praxen entsprechende Gehälter zu zahlen, müssten diese 2021 um rund 35 % erhöht werden. Dagegen steht, dass viele Jahre mit unangemessenen niedrigen Einkommen hinter uns. Sie führten u.a. zu einem Investitionsstau, mangelnden Rücklagen und fehlender Altersabsicherung, die es zu beseitigen gilt.

Grund genug also, weiterhin laut zu bleiben! Das gilt für alle in Freien Praxen arbeitenden Therapeut*innen, ob selbstständig oder angestellt.

EINKOMMEN: HANDLUNGSBEDARF BLEIBT

 

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