Wenn ein Termin kurzfristig ausfällt und Ihnen ein Schaden entsteht: Sie können versuchen, Ihren Patient*innen unter sehr engen Voraussetzungen eine entsprechende Rechnung zu stellen. Fraglich bleibt, ob diese am Ende auch bezahlt wird.
Leider ist es nicht möglich, eine rechtsverbindliche Auskunft zu der Frage zu geben, wann genau ein Anspruch auf die Zahlung einer Ausfallrechnung bei zahlungsunwilligen Patient*innen auch vor Gericht durchsetzbar wäre: Dafür ist das Thema zu komplex; zudem ist das Vorgehen bei kurzfristigen Absagen auch von der individuellen Betriebsführung einer Praxis abhängig.

Wir können Ihnen aber Eckpunkte an die Hand geben, die erfüllt sein sollten, wenn eine Forderung Bestand haben soll, unabhängig von den jeweiligen individuellen Umständen:

  • Beweis: Wer Schadensersatz fordert, muss im Zweifelsfall Beweise liefern. Schon die Vereinbarung des Therapietermins sicher nachzuweisen ist nicht ganz einfach.
  • Verschulden: Der Ausfall wurde entweder selbst verschuldet (Termin vergessen, Oma hat Geburtstag, Auto sprang nicht an, Bus kam zu spät, Feierabendstau…) oder durch Dritte: Jemand wird kurzfristig und unverhofft zur Arbeit einbestellt oder unverschuldet in einen Unfall verwickelt. In einem solchen (eindeutigen) Fall könnte ein Ausfall gegenüber dem/der Dritten geltend gemacht werden.
  • Problematisch sind die Fälle, in denen niemand verantwortlich gemacht werden kann, wie z.B. unvorhersehbare Wetterverhältnisse oder eine plötzliche Erkrankung.

 

Vorschläge zum Umgang mit kurzfristigen Absagen

  • Machen Sie Patient*innen klar, dass Sie eine Bestellpraxis führen.
  • Nehmen Sie die Pflicht zu einer frühzeitigen Absage in den Therapievertrag auf.
  • Wenn Sie im Therapievertrag eine Rechnung für den Fall einer kurzfristigen Absage ankündigen: Benennen Sie klar, in welchem Fall und in welcher Höhe Sie diese stellen werden. Denken Sie daran, dass ein Anspruch auf eine Zahlung gerichtlich selten durchsetzbar ist.
  • Überlegen Sie sich einen Umgang mit Patient*innen, die häufig kurzfristig absagen und nicht zahlen, damit Sie/Ihre Praxis glaubwürdig bleiben: „Wiederholungstäter“ könnten zurück auf die Warteliste, oder machen Sie eine Therapiepause, bis eine regelmäßige Therapie organisiert werden kann.
  • Vielleicht ist auch eine Erinnerungs- SMS eine Option.
  • Scheuen Sie sich nicht, ein „Angebot“ zum Unterschreiben von kurzfristig oder nicht abgesagten Therapien als das zu benennen, was es ist: Betrug – und für Sie als Praxisinhaber*in ein schwerer Vertragsverstoß, der Sie die Zulassung kosten kann.
  • Egal, wie die Nachbarpraxis Absagen regelt: Ihre Praxis, Ihre Regeln.
  • Und zuletzt: Ärgern Sie sich nicht – Sie sind nie persönlich gemeint!