Fachkräftemangel trotz steigender Entgelte

Trotz steigender Entgelte der Mitarbeitenden in logopädischen Praxen um 15,07 Prozent nimmt der Fachkräftemangel weiter zu

LOGO Deutschland hat die Zahlen für logopädische Praxen bei der BGW für 2019 erneut erfragt.

Die gezahlten Entgelte stiegen erwartungsgemäß im letzten Jahr: In 2019 wurden insgesamt in logopädischen Praxen 292.593.629 € gezahlt, 27.485.170 € mehr als in 2018. Die gemeldeten Arbeitsstunden lagen 2019 bei 17.180.459 h, und verringerten sich um 735.044 h im Vergleich zum Vorjahr. Demnach wurde im Jahr 2019 eine Arbeitsstunde im Mittel mit 17,03 € brutto vergütet. Im Jahr 2018 lag das gezahlte Entgelt noch bei 14,80 €/h brutto. Somit stieg das Entgelt um 15,07 Prozent.

Der Durchschnittswert pro Arbeitsstunde errechnet sich hier aus den gezahlten Entgelten der therapeutischen Angestellten, der Verwaltungsangestellten und des weiteren Personals, wie etwa Reinigungskräfte. Auch die Entgelte der sog. Minijobber*innen werden bei der Berechnung mit einbezogen. Das so errechnete Bruttostundenentgelt ist also nicht direkt mit dem Gehalt der angestellten Logopäd*innen in einer Praxis gleichzusetzen, es liegt aber mit großer Wahrscheinlichkeit sehr nahe an diesem Wert, da die therapeutischen Mitarbeitenden in den logopädischen Praxen mit Abstand die größte Gruppe der Mitarbeitenden darstellen.

Es zeigt sich, dass die Praxisinhaber*innen die gestiegenen Vergütungen im Jahr 2019 in hohem Maße an die Mitarbeitenden weitergegeben haben, auch wenn insgesamt die Gehaltshöhe noch deutlich unter Tarifgehältern lag.

Die Zahl der logopädischen Unternehmen hat sich von 2018 auf 2019 kaum verändert: Sie ist um 21 Unternehmen auf 8.464 Unternehmen gestiegen. Die Anzahl der Betriebsstätten (Standorte) stieg im selben Jahr lediglich um 2 Betriebe auf 9.661 Betriebe.

In 2019 arbeiteten in den Praxen 590 Menschen mehr als 2018, insgesamt waren 23.087 Menschen angestellt. Da die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 735.044 h (-4,1 %) sank, ist zu vermuten, dass die Zahl der Teilzeitbeschäftigungen zugenommen hat. Insgesamt ist die Zahl der angestellten Vollzeitäquivalente in logopädischen Praxen um 400 auf 11.084 gesunken, wobei zu berücksichtigen ist, dass der Vollarbeiterrichtwert von 1560 Stunden im Jahr 2018 auf 1550 Stunden in 2019 gesunken ist.

Da die Zahl der gemeldeten Arbeitsstunden der Mitarbeitenden in den Praxen deutlich gesunken ist, die Zahl der Unternehmen und der Betriebsstätten sich jedoch kaum erhöht hat, liegt es nicht nahe, dass sich die Zahl der durch Angestellte in den Praxen geleistete Arbeitsstunden dadurch verringert hat, dass Angestellte in die Selbstständigkeit gegangen sind. Auch die bundesweit um 0,9% gestiegene Zahl der Frauen, die 2019 Elterngeld bezogen haben, kann die Abnahme der geleisteten Arbeitsstunden in den Praxen nicht hinreichend erklären. Es zeigt sich hier wohl auch vor allem der wachsende Fachkräftemangel in den ambulanten Praxen durch Abwanderung der Fachkräfte in die Kliniken und andere Einrichtungen bzw. in andere Berufe und durch den mangelnden Nachwuchs.

LOGO Deutschland setzt sich in den kommenden Kassenverhandlungen intensiv für steigende Vergütungen ein, um durch attraktive Arbeitsbedingungen und Einkommensmöglichkeiten in den Praxen dem wachsenden Fachkräftemangel und damit einer wachsenden Unterversorgung der Bevölkerung mit ambulant erbrachten logopädischen Leistungen entgegenzuwirken.

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