Laura Dullmaier im Gespräch mit Politikern

Mitglied Laura Dullmaier:

Einfach machen- es wird alles gut gehen!

In den vergangenen Monaten war es ja quasi nicht vermeidbar mitzubekommen, dass sich die Heilmittelerbringer auflehnen und für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, sofern man in entsprechenden Facebook-Gruppen vertreten oder vernetzt ist.

Da ich selbst erst seit knapp 2 ½ Jahren eine eigene Praxis für Logopädie habe und seit 2012 im Beruf bin, habe ich hoffentlich noch eine lange Laufbahn als Logopädin vor mir. Diese will und kann ich unter den aktuellen Rahmenbedingungen jedoch nicht fortsetzen.

Daher habe ich überlegt was ich tun kann, um nicht nur tatenlos zuzusehen. Ich wollte mich aktiv ins Geschehen einmischen und etwas bewirken – egal wie klein oder groß. An Heiko Schneider und seinem Brandbrief führte natürlich kein Weg vorbei. Also setzte ich mich hin und schrieb drauf los. Nachdem Heiko mich dann persönlich kontaktiert hatte, war ich angefixt mehr zu tun.

Ich setzte mich einige Zeit später an den Rechner und suchte sämtliche Politiker in meiner Umgebung heraus, von Kommunalpolitikern über Landräte bis hin zu Mitgliedern des Bundestages. Darüber hatte ich in Facebook immer mal wieder gelesen oder diesbezüglich im Newsletter von LOGO Deutschland erfahren.

So kamen einige E-Mailempfänger zusammen, die mit dem vorbereiteten Schreiben von TAL (Einladung an die Politik) versorgt wurden. Die ersten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Manche schickten mir ein längeres Schreiben per Post mit viel Verständnis für unsere prekäre Situation, der Erklärung, was die zugehörige Partei diesbezüglich schon unternimmt usw. Doch auch einige waren an einem persönlichen Gespräch interessiert. Da ich solche Gespräche bisher noch nie geführt hatte und im ersten Moment dachte „Puh – ja, geil. Aber was mach ich jetzt!?“ fragte ich in einer Heilmittelerbringer Gruppe bei WhatsApp (in der ich lediglich eine Person von einer Fortbildung persönlich kannte), und ob mich jemand unterstützen würde. Auch hier dauerte es nicht lange und Mira Strauß, Ergotherapeutin, sagte mir zu. Parallel hatte ich Heiko kontaktiert, ob er mir vor dem ersten Termin ein paar Tipps geben könnte, was er dann auch gerne tat.

So kam es, dass im Oktober das erste Treffen in meiner Praxis stattfand. Jörg Cezanne (Mdb/Die Linke) kam mit seinem Kollegen Marcel Baymus (Kreisvorsitzender der Linken). Mit Mira, die ich nur wenige Minuten vorher persönlich kennenlernte, hatte ich eine tolle Unterstützerin und Kollegin an meiner Seite. Wir konnten unsere Situation sehr gut schildern und stießen auf viel Verständnis.

Beim nächsten Termin (Dr. Michael Meister/CDU/Mdb) hatte ich Heiko dann als Unterstützung dabei. Dr. Meister war durchaus kritisch mit seinen Fragen und Anmerkungen, aber sehr sachlich, freundlich und aufgeschlossen. Zudem hatte er Herrn Spahn bereits im Vorfeld kontaktiert (sie haben 4 Jahre zusammengearbeitet) und so auch nochmal kollegial auf unsere Situation hingewiesen.

Weiter ging es dann mit Herrn Schellhaas (SPD), Landrat von Darmstadt-Dieburg, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des hessischen Landkreistages und stellvertretender Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des deutschen Landkreistages. Dieses Gespräch war das erste, welches ich alleine bestreiten musste. Inzwischen hatte ich ja etwas Erfahrung sammeln können und gemerkt, dass „diese Politiker“ doch auch nur Menschen sind und vor allem, dass sie interessiert an der Thematik sind, wenn sie sich schon extra Zeit dafür nehmen. Inzwischen immer bepackt mit der Auswertung der TAL-Umfrage zum Thema Altersarmut, dem Sofortprogramm von Dr. Roy Kühne, dem Eckpunktepapier, Heikos Brandbrief und dem LOTSE Gutachten von LOGO Deutschland, gab es dann immer noch entsprechendes Infomaterial für meine Gesprächspartner.

An dieser Stelle möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich bezüglich der Politiker-Termine sehr eng mit Heiko Schneider und dadurch mit TAL in Kontakt stand. Dennoch hatte ich auch Seitens meiner Berufsverbandes LOGO Deutschland, immer mehr Informationen bekommen: Über E-Mails mit Infos zu bevorstehenden Treffen, Veranstaltungen, Aktionen usw., oder aber auch viele Infos via Facebook, die mir immer wieder das Gefühl gaben mit LOGO Deutschland die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn auch wenn es viele Kritiker der Verbände gibt (und ja, ganz sicher wurde da in der Vergangenheit sehr viel „verpennt“):  Die Verhandlungen führen diese nach wie vor – und Verbände funktionieren nun mal nicht ohne Mitglieder. Daher stand es für mich nie zur Debatte, keinem Verband beizutreten und zu hoffen, dass „die anderen“ es schon richten werden und ich dann davon profitiere.

Ein weiterer Termin stand noch bevor, wovon mein Gesprächspartner jedoch noch nichts wusste. Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister, war zu Besuch in meiner Heimatstadt zwecks Wahlkampfunterstützung in Hessen. Da ich vor Ort recht gut vernetzt bin, konnte ich im Vorfeld bereits halbwegs sicherstellen, dass ich in der Diskussionsrunde auch zu Wort kommen würde. Ich kann nur sagen: Ich hatte echt einen Riesenrespekt und etwas Muffensausen. Und dann saß ich da, alleine unter Vielen, aufgeregt und neugierig, mich darauf besinnend, dass auch Herr Spahn nur ein Mensch ist. Und ja, das ist er. Auch wenn es natürlich nur kurz war, dennoch war dieser persönliche Kontakt irgendwie gut und bestärkend für mich – da war der Weg nach Berlin dann gefühlt auf einmal doch ganz kurz.

Auf meine Frage, warum dem Sofortprogramm von Dr. Roy Kühne nicht zugestimmt werde, kam sehr schnell die Antwort, dass es des Geldes wegen nicht möglich sei. Es gäbe derzeit so viele „Baustellen“ im Gesundheitssystem, dass der Bereich der Heilmittelerbringer nicht so sehr bezuschusst werden könne. Das Sofortprogramm würde 3 Mrd. Euro kosten, so Spahn.

Der zuletzt stattgefundene Termin, wieder mit meiner Kollegin Mira Strauß, fand im Landratsamt Groß-Gerau statt. Dort trafen wir uns mit Landrat Thomas Will (SPD), dem  erstem Kreisbeigeordnetem Walter Astheimer(Grüne), der Fachbereichsleiterin für soziale Sicherung Ulrike Cramer und der stellvertretenden Fachbereichsleiterin Gesundheit und Verbraucherschutz Ute Kepper. Nun steht noch ein Termin mit der Landtagsabgeordneten Ines Claus (CDU) bevor, die ebenfalls großes Interesse, auch aus eigener Erfahrung, bekundete.

Einer der für mich wesentlichen Punkte in diesem Gespräch war die Frage danach, wie uns auch die kommunalen Politiker bei unserem Anliegen unterstützen können – bis Berlin ist es schließlich ein weiter Weg. Klar wurde: Wir müssen über uns reden und uns immer wieder zu Thema machen. Egal wann, egal wo! Es ist wichtig, dass wir Heilmittelerbringer nicht nur eine Rolle für diejenigen spielen, die auf unsere Behandlung angewiesen sind.

Ich kann allen Kolleginnen und Kollegen wirklich nur ans Herz legen: Seid mutig und traut euch!!!! Ich habe wahnsinnig viel erlebt in den letzten Wochen/Monaten. Sei es, dass ich mit Mira und Heiko zwei richtig tolle/unterstützende Kollegen kennengelernt habe, oder dass ich auch viele weitere Kontakte innerhalb der Heilmittelerbringerwelt geknüpft habe, oder dass ich durch mein Engagement mit sehr vielen Patienten/Eltern ins Gespräch gekommen bin, die mich (trotz einiger Terminausfälle in der Praxis) jederzeit unterstützt haben, für unseren Beruf einzustehen, oder dass ich einfach wahnsinnig interessante Gespräche mit ganz unterschiedlichen Politikern hatte.

Tut euch zusammen oder seid alleine mutig- im Nachhinein betrachtet braucht es gar nicht so viel Mut. Es ist wirklich wichtig, dass wir uns Gehör verschaffen, egal auf welcher politischen Ebene. So zufriedenstellend es auf manche vielleicht wirken mag, dass so viel in Bewegung zu sein scheint: Das reicht noch lange nicht, denn es bewegt sich weniger in unsere Richtung als man vielleicht vermuten mag. Von daher: Einfach machen- es wird alles gut gehen!

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