Michael Jochem

Mein Name ist Michael Jochem. Viele Argumente sind von KollegInnen in ihren Stellungnahmen bereits genannt worden, denen ich größtenteils zustimme und daher nicht wiederhole. Persönlich sieht es bei mir so aus: Im Saarland betreibe ich zwei Praxen. Wobei eine dritte kurz nach deren Anmeldung wieder stillgelegt wurde, weil auf Grund des Personalmangels die formale Benennung einer Praxisleitung nicht möglich war. Gleichzeitig wäre die Patientenversorgung aber nicht beeinträchtigt gewesen. Im Jahre 2012 konnte ich noch mit insgesamt neun Kolleginnen Therapie garantieren.
Die angestellten Logopädinnen haben jedoch nach und nach gekündigt. Und arbeiten nun in Reha-Einrichtungen, Kliniken, wieder im Ursprungs-Beruf Erzieherin, haben eine Hundeschule oder eigene Praxis gegründet, oder ein Studium in einer Fachrichtung begonnen, die auch eine Zukunfts- und Einkommensperspektive bietet. Eine Kollegin bevorzugt auf Grund besserer Bedingungen und geringerer Verantwortung sogar die Tätigkeit an der Reparaturannahme eines Autohauses…
Aktuell sind wir zu dritt. Bewerbungen liegen seit über zwei Jahren nicht mehr vor. Gleichzeitig mit dem Nachwuchsmangel ist die Nachfrage nach logopädischer Therapie gestiegen und die Terminplanungen werden deutlich schwieriger. Eine “Warteliste” ist notwendig.
Zu Beginn meiner Tätigkeit als Logopäde war es zudem problemlos möglich, Kinder schon ab acht Uhr morgens in der Praxis zu behandeln. Mittlerweile ist vor 14 Uhr kaum ein Termin realisierbar. Und nach 17 Uhr ist die Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit eines Kindergartenkindes bekanntermaßen deutlich reduziert, weshalb dann eine Therapie m. E. ineffektiv wird. Andererseits steigt auch die Zahl der Hausbesuche. Ich selbst fahre im Schnitt rund 90 km am Tag, um die teils schwer betroffenen Menschen zu behandeln.
Dabei gilt es, nicht nur einmal am Tag pünktlich zu sein (in der Praxis), sondern zu jedem einzelnen Hausbesuch. Was neben der Fahrerei einen enormen Zeitdruck verursacht. Fünf Tage pro Woche. Mit der Entwicklung der Vergütungen, den Rahmenbedingungen für die freiberufliche Tätigkeit, der Aus- und Fortbildungssituation, aber auch mit den Verbänden beschäftige ich mich seit Anbeginn meiner Logopädie-Laufbahn intensiv. Dies führte dazu, dass ich Gründungsmitglied von LOGO Deutschland e. V. wurde. Die Ergebnisse der von den Verbandsmitgliedern finanzierten Gutachten sehe ich als Minimalforderungen für die Verhandlungen mit den Kostenträgern. Nicht als Diskussionsgrundlage zum Runterhandeln!
Wir brauchen diese Verbesserungen, damit der Beruf wieder attraktiv wird, wir unserem RentnerInnendasein ohne Inanspruchnahme von Grundsicherung entgegensehen können und die Versorgung der Menschen mit Logopädie erhalten bleibt. Alles, was die notwendigen Änderungen bei Rahmenbedingungen und Vergütungshöhen nicht abbildet, werde ich nicht mittragen. Und gegen eine rechtsverbindliche Unterschrift meines Berufsverbandes unter das Vertragswerk stimmen.

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