Resolution bei der Veranstaltung der Linksfraktion „Ratschlag zur Heilmittelversorgung“ verabschiedet

Wie weiter nach dem Terminserviceversorgungsgesetz?

Der „Ratschlag“- veranstaltet von der Linksfraktion unter Federführung von Achim Kessler (MdB, gesundheitsökonomischer Sprecher) brachte Akteure aus Praxis und Politik zusammen. Therapeutinnen und Therapeuten aus der Praxis, Politiker, Heilmittelverbände aber auch Vertreter der Gewerkschaften,der Sozialverbände und der Wissenschaft hatten Gelegenheit  die aktuelle Situation zu analysieren und zu diskutieren, vor welchen Herausforderungen die Versorgung steht und welches die nächsten Schritte sein können und müssen, um die bedarfsgerechte Versorgung von Patientinnen und Patienten zu sichern.

Zum Einstieg gab es vier Impulsvorträge.

Volker Brünger (Therapeuten am Limit) analysierte die rechtlichen Hürden zum Direktzugang, insbesondere das Heilpraktikergesetz von 1939 . Weiter konnte er anhand der sinkenden Heilmittelausgaben pro 1000 Versicherte im Bereich der Physiotherapie und Ergotherapie belegen, dass das Gespenst der „Mengenausweitung“, das von Ärzte- und Kassenfunktionären gerne an die Wand gemalt wird, deutlich zu relativieren ist.

Stefan Strasser, Betriebsrat im „Physiotherapie- und Präventionszentrum“ der Charité Berlin berichtet von Tarifflucht und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen durch Ausgliederung der Therapieabteilungen in großen Krankenhäusern. Fazit: auch im klinischen Bereich herrscht oft großer Druck auf die Therapeuten und entgegen landläufiger Meinung werden oft keine Gehälter nach TVöD bezahlt. Zudem setze das DRG System in den Kliniken Fehlanreize und gefährde eine sachgerechte Versorgung der Patienten.

Thomas Etzmuss (Vereinte Therapeuten) fordert eine weitere Erhöhung der Kassensätze, sodaß ein Stundenumsatz von 90 Euro in den Praxen möglich ist sowie eine Abschaffung der Rezeptprüfpflicht.

Christiane Sautter-Müller (LOGO Deutschland) spannte einen breiten Bogen über die Herausforderungen der nächsten Jahre. Dies seien neben dem anstehenden Verhandlungsmarathon zur Umsetzung des TSVG vor allem auch die Novellierung des Berufsgesetzes mit einer Vereinheitlichung des Berufsbildes und einer grundständigen Akademisierung unter Erhalt des Staatsexamens. Weitere Themen waren der Fachkräftemangel, der durch die unverantwortliche Verzögerung der Umsetzung der Schulgeldfreiheit weiter verstärkt wird. Zur Sprache brachte sie auch die hohe Personalkostenquote von 60-70% in den logopädischen Praxen, die trotz der bereits erfolgten Erhöhung der Kassensätze konkurrenzfähige Angestellengehälter nur weiter durch Selbstausbeutung der Praxisinhaber ermöglicht. Deshalb muss ihrer Meinung nach die nächste Verhandlungsrunde noch einmal eine deutliche Erhöhung ermöglichen, damit die Bezahlung in den Praxen analog zu Gehältern im TvÖD überhaupt in Betracht gezogen werden kann. Weitere Themen ihres Vortrages waren die Umsetzung der Blancoverordnung und der Direktzugang. Scharf kritisierte sie das geplante digitale Versorgungsgesetz, das die Praxen der Logopädie, Ergotherapie, Podologie und Ernährungstherapie nach jetzigem Stand von der Anbindung an die Telematikinfrastruktur ausschließt.

Vortrag Christiane Sautter-Müller

Nach einer Podiumsdiskussion wurde in verschiedenen Workshops intensiv weitergearbeitet und am Ende des Veranstaltungstages eine gemeinsame Resolution verabschiedet.

Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass eine Fortsetzungsveranstaltung sinnvoll sei. Haupthemen könnten dort Digitalisierung, Zuzahlung und Umsetzung Blancoverordnung mit Perspektive auf den Direktzugang sein.

Die Resolution finden sie, nach deren Veröffentlichung, hier zum Download.

Resolution

Christiane Sautter-Müller
Vorstand Zukunft und Perspektiven

Bildquelle: Linksfraktion / Olaf Krostitz

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