SHV-Therapiegipfel in Berlin am 27.9.

Der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV), bestehend aus den Physioverbänden IFK, ZVK (Physio-Deutschland) und VPT, dem ZFD (Podologen) und dem DVE (Ergotherapeuten) hatte zum 1. Therapiegipfel nach Berlin eingeladen.

Themen im Rahmen einer Podiumsdiskussion über Verbesserungen im Heilmittelbereich waren die Inhalte des Eckpunktepapiers von Bundesgesundheitsminister Spahn, welches er am 18.9., wenige Tage nach dem Treffen mit den Berufsverbänden, vorgelegt hatte.

Die Diskussionsrunde am Nachmittag eröffnete Minister Jens Spahn mit einer kurzen Rede und einer Zusammenfassung des Eckpunktepapiers. Diese schnelle Vorlage begründete der Minister ungefragt: Die Themen seien ihm bekannt gewesen.

Ganz besonders gefreut hat uns seine Aussage im Zusammenhang mit der Beantwortung einer kritischen Teilnehmerfrage zur Rolle, die laut Eckpunktepapier dem SHV zugedacht war: Er könne, aufgrund verfassungsrechtlicher Bedenken, nicht einen bestimmten Verband beauftragen.

Damit dürfte die Idee, allein dem SHV gesetzlich verankerte Aufgaben für alle Berufsgruppen zu übergeben (und damit die nicht dort organisierten Verbände auszubooten), vom Tisch sein!

Weiter verwies Spahn auf die geplante, fortgesetzte Abkopplung der Grundlohnsummenbindung und auf die Schulgeldfreiheit, die in Bayern bereits umgesetzt sei und in NRW immerhin zu 70%.

Dem Sofortprogramm von Dr. Roy Kühne, welches ca. 1,8 Mrd. Euro kosten würde, erteilte er eine Absage: Soviel sei nicht da, und das Ganze müsse auch in 5 Jahren noch bezahlt werden können.

Die Blankoverordnung möchte der Gesundheitsminister regelhaft einrichten, dem Direktzugang erteilte er jedoch mit dem Hinweis auf die Budgetverantwortung eine Absage.

Darüber hinaus würden die Berufsgesetze überarbeitet. Eine grundständige Akademisierung lehnte Spahn ab: „Wir wollen nicht, dass wir in den Gesundheitsberufen nur Bachelor- oder Masterabsolventen haben.“

Neben den Vertretern der fünf SHV-Verbände nahmen Florian Rott, Referent Heilmittel des GKV-Spitzenverbands, und Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin/Universitätsmedizin Greifswald teil. Sie stellten sich, wie die Gesundheitspolitiker Dr. Roy Kühne (CDU) und Bettina Müller (SPD) den Fragen der Moderatorin Lisa Braun und auch Fragen der Teilnehmer.

Natürlich wurde viel über die Zertifikate der Physiotherapeuten diskutiert. Andrea Rädlein antwortete auf eine Publikumsfrage, es sei nur eine Annahme, dass der ZVK an Zertifikatspositionen festhielte. Der Vertreter des GKV- Spitzenverbands, Rott, dazu: „Die älteste Forderung des GKV Spitzenverbandes ist es, die Zertifikate in die Ausbildung zu inkludieren“.

Auch das Thema „Kammer“ fand kurz Eingang in die Diskussion. Prof. Axel Ekkernkamp erläuterte die derzeitigen Entwicklungen der Pflegekammern und sah keinen Vorteil, wenn dies nur erfolgen solle, um ein Mitspracherecht im G-BA zu erwirken: Ich rate dringend davon ab, Ressourcen in diese Richtung zu verschwenden.“

Maria Klein-Schmeink (MdB B90/Die Grünen) hielt eine kurze, flammende Rede, in der sie eine Patientenversorgung mit Heilmitteln nach den Indikationen des Heilmitelkatalogs – ohne wenn und aber – forderte und deutlich Position für eine bessere Vergütung und den Direktzugang bezog.

Nicole Westig, FDP, saß, ebenso wie Maria Klein Schmeink, im Plenum, hatte aber keine Gelegenheit sich zu äußern, da sie leider nicht die ganze Zeit dabei sein konnte.

Am Ende ermutigte Bettina Müller die Therapeuten, sich weiter für ihre Forderungen einzusetzen und auf keinen Fall locker zu lassen.

Dr. Roy Kühne sagte klar, welcher Aspekt im Zentrum der Verbesserungen im Heilmittelbereich stehen muss: „Das Gehalt ist das spürbare Kriterium, das erstmal erfüllt werden muss. Ansonsten ist in drei Jahren keiner mehr da.“

 

 

Bundesgesundheitsminister Spahn

Maria Klein-Schmeink (MdB B90/Die Grünen)

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