Stefan Reck

Ich heiße Stefan Reck
und arbeite seit 2009 als selbstständiger Logopäde in meiner interdisziplinären Praxis in Bayern und ab 2021 zusätzlich in meinem interdisziplinären Therapiezentrum in Niedersachsen.
Als Unternehmer im Gesundheitswesen geht es um mehr, als um den eigenen Verdienst. Es geht auch immer um die Frage, was man für die Menschen tun kann, die sich einem als Angestellte anvertrauen. Kolleginnen und Kollegen verlassen sich darauf, dass man nicht zuletzt in ihrem Sinne Entscheidungen trifft die dazu beitragen, ihre Arbeit mindestens sicher und sinnstiftend zu gestalten. Als Chef hat man das zwar nicht immer selbst in der Hand – manchmal aber schon.
Wenn es um das Thema „Bezahlung“ geht, sind wir als Teil des Gesundheitswesens auf besondere Weise eingeschränkt: Wir können nur in wenigen Fällen über das Honorar für unsere Arbeit entscheiden. Der Friseur, die Pizzabäckerin oder die Floristen haben es da leichter. Die Preise für den üblichen Fassonschnitt, die Calzone oder das Stiefmütterchen werden angepasst, bis ich durch Angebot und Nachfrage ein Marktgleichgewicht erreiche und optimalen Nutzen ziehe. Soweit zumindest die Theorie.
Als Heilmittelerbringer mit Kassenzulassung haben wir uns zur Einhaltung der Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet. Diese Bürde ist gleichzeitig ein Privileg, garantiert uns dieses Vertragswerk doch auch Planungssicherheit und Stabilität. Eins steht aber fest: Unsere Honorare sind, gemessen an unseren Leistungen und unserer Verantwortung für unsere Patientinnen und Patienten, deutlich zu niedrig. Wir sollten höhere Honorare erhalten…
…weil wir sie verdienen – nicht weil wir sie brauchen! Ich bin mit den meisten KollegInnen der Meinung, dass wir eine höhere Vergütung erhalten sollten. Unsere professionelle Arbeit, unsere hohe Verantwortung für den Einzelnen und die ganze Gesellschaft und die Leidenschaft mit der wir zu Werke gehen, rechtfertigen deutlich höhere Honorare. Doch was wurde in den letzten Jahren erreicht? Ich sage: Eine ganze Menge!
Die Erinnerungsschwachen unter uns seien daran erinnert, dass unsere VerhandlerInnen und unser professionelles Auftreten sowie unser unermüdlicher Einsatz draußen auf den Straßen und in den sozialen Medien in den vergangenen Jahren eine prozentuale Erhöhung für alle Heilmittelerbringer herausgeholt haben, die in so ziemlich allen anderen Branchen Ihresgleichen suchen. Ja, wir kommen aber auch von einem deutlich zu niedrigen Niveau! Ja, wir verdienen mehr! Geschenkt.
Wer heute auftritt und behauptet, er braucht höhere Honorare um seine Miete zu bezahlen, seinem Team Stundenlöhne jenseits von 17.- zu zahlen und für seine Rente zu sorgen, dem rufe ich aus voller Kehle zu: „Bevor du immer wieder die Hand aufhältst und darauf wartest, dass Segen verteilt werden… hast DU dich wie ein(e) UnternehmerIn benommen und für deine Praxis gekämpft? Hast du deine Zahlen im Griff? Kümmerst du dich um deinen Standort? Dein Marketing? Oder bist du einfach eine Logopäde (m/w/d), der schon immer nur auf eigene Rechnung arbeiten wollte und sich deshalb zwei Kellerräume in UG ausgebaut hat?“
Ich für meinen Teil bin nicht bereit, schlechte Unternehmer und Unternehmerinnen einfach durchzuziehen indem ich populär in die Foren krakeele, dass alles wunderbar wird, wenn wir nur endlich 100.- pro Einheit erhalten. So einfach ist es nicht. Es gibt die sehr rigide Seite unserer Bezahlung und die sehr flexible und oft vernachlässigte Seite unserer unternehmerischen Entscheidungen. Ich bin viel in der Republik unterwegs und treffe die tollsten Logopädinnen, Ergotherapeuten und Physios. Kolleginnen und Kollegen, die tun was sie können, um ihre Praxis zu einem erfolgreichen Wohlfühlort für Jedermann und jede Frau zu machen. Eins haben bisher alle gemeinsam: Sie gehen mit ganz viel Mut in ihren Herzen ungewöhnliche Wege, setzen sich durchaus aktiv für ein „Mehr“ ein… kennen ihre eigene Verantwortung für das Gelingen ihrer Praxis aber ganz genau und stellen sich täglich! Sie bekommen die gleichen Honorare wie alle Anderen und sind weitaus erfolgreicher. Ich weigere mich, die Zusammenhänge zu ignorieren.
Ich warte nicht auf eine Erhöhung der Honorare von 90% und mehr. Meine MitarbeiterInnen verdienen es, dass ich mich ernsthaft in eine berufspolitische Diskussion einmische.
Sollte der neue Vertrag eine Erhöhung der Bezüge von 20% oder mehr vorsehen (über die wir vor wenigen Jahren noch gejauchzt und frohlockt haben), werde ich mit „Ja“ stimmen.

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