Stellungnahme zum Interview mit Dr. Hauch

Die Kollegin Dagmar E. Martin hat uns auf einen Artikel im Südkurier vom 9.Oktober 2015 hingewiesen, in dem der Kinder-und Jugendarzt  Dr. Hauch, der seine Praxis in Düsseldorf betreibt, sagt, dass Tests und Therapien nicht nur oft überflüssig seien, sondern den Kindern auch nachhaltig schaden würden.

Dazu nimmt Diethild Remmert wie folgt Stellung:

 
Stellungnahme zum Interview von Birgit Hoffman mit Dr. Michael Hauch, Kinder- und Jugendarzt
aus Düsseldorf, über sein Buch „Kindheit ist keine Krankheit“; Südkurier am 9.10.2015:

 
Sehr geehrter Herr Dr. Hauch,

 
Sie scheinen ein Kinderarzt zu sein, der sich intensiv um seine Patienten kümmert und eine Menge Fachwissen hat. Doch ich frage mich: Haben das nur Sie und andere nicht?
In einem Rundumschlag üben Sie in diesem Interview/ in Ihrem Buch Kollegenschelte und kritisieren übervorsichtige Eltern, Panik verbreitende ErzieherInnen und Arbeit suchende TherapeutInnen, die ihre kleinen PatientInnen in Kindergärten rekrutieren. Nebenbei stellen Sie noch grundsätzlich Tests in Frage.
Es scheint im Trend zu sein, neben einem bestimmten Elterntypus all diejenigen, die ihre berufliche Kompetenz im Rahmen von pädagogischer Förderung und medizinischer Therapie haben, als leicht hysterisch und überbesorgt zu skizzieren. Wollen Sie nur provozieren oder meinen Sie es ernst?
Herr Dr. Hauch, es gibt keine Kindheit mehr wie in den 50er, 60er Jahren. Da war nicht alles besser, auch wenn dort noch genug Kletterbäume zur Verfügung standen. Die Gesellschaft hat sich verändert, und damit auch die Kindheit. Bitte nehmen Sie das zur Kenntnis. Und prügeln Sie nicht weiter pauschal auf all diejenigen ein, die ihre berufliche Kompetenz ernst nehmen. Seien Sie doch froh, dass es derzeit eine flächendeckende Versorgung mit Heilmitteln gibt!
Wir Logopädinnen und SprachtherapeutInnen haben eine anspruchsvolle Ausbildung und bilden uns permanent fort. Wir arbeiten an der Schnittstelle von Bildung und Gesundheit. Beziehen Sie uns doch einfach ein, anstatt in kurzen Untersuchungssequenzen alles selber beurteilen zu wollen. Das tun viele Ihrer KollegInnen bereits, indem sie uns Fachleuten eine qualifizierte (Sprach- und Sprech-) Diagnostik überlassen und notwendige Therapien im Sinne der Betroffenen ohne Wenn und Aber verordnen!

 
Diethild Remmert
Vorstand LOGO Deutschland
Interessengemeinschaft selbständiger
LogopädInnen / SprachtherapeutInnen e.V.

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