Therapie in Einrichtungen – Umfrage nach Pfingsten

Bereits 2019 hat eine Umfrage stattgefunden, in der sich eine deutliche Mehrheit unserer Mitglieder gegen die Idee ausgesprochen hat, auf eine Öffnung der HeilM-RL, die als Ort der Leistungserbringung die Praxis festlegt (§ 11), hinzuwirken. Diese Umfrage möchten wir aufgrund der stark angestiegenen Mitgliederzahlen erneut durchführen.

Die zuletzt erfolgte Änderung der HeilM-RL zum 01.01.2021 hat keine nennenswerten Änderungen gegeben, sodass weiterhin keine legale Möglichkeit besteht, (Ganztags-) REGELkinder in einer Einrichtung zu therapieren. Wer es dennoch tut, begeht einen schweren Vertragsverstoß und muss mit den Konsequenzen leben.

Aktuell gibt es zur Therapie in der Praxis lediglich folgende Ausnahmen: Bei einer medizinischen Indikation können Ärzt:innen einen Hausbesuch verordnen (wird vergütet), und bei einer besonderen Schwere und Langfristigkeit der Störung (diese wird bei einem Kind mit I-Status angenommen) sowie einer Ganztagsunterbringung darf die Therapie auch in der Kita oder der Schule stattfinden – ohne Vergütung.

Wir laden Sie ein: Diskutieren Sie erneut im Forum Berufspolitik auf der Homepage und tauschen Sie Argumente Für und Wider aus, damit wir gut begründet Ihre Interessen auch in dieser Sachfrage vertreten können!

Wichtig: Weiterhin ist Logopädie in Kita und Schule der Ausnahmefall!

Auch wenn immer wieder sowohl Eltern als auch Leitungen von Kindergärten und Familienzentren wünschen, dass logopädische Therapien vor Ort erbracht werden sollen. Vielfach wird dabei auf verpflichtende Kooperationen mit Logopädiepraxen verwiesen. Aber: Solche Kooperationsverträge können keine Tätigkeiten einschließen, die von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden, wie es bei Therapien der Fall ist!

 Hintergrund: Die gesetzlich zu beachtende Heilmittelrichtlinie regelt in §11 den Ort der Leistungserbringung wie folgt:

(1) Heilmittel können, sofern nichts Anderes bestimmt ist, – als Behandlung in der Praxis der Therapeutin oder des Therapeuten (Einzel- oder Gruppentherapie) oder – als Behandlung in der häuslichen Umgebung der Patientin oder des Patienten als Hausbesuch durch die Therapeutin oder den Therapeuten gemäß Satz 2 verordnet werden. Die Verordnung eines Hausbesuchs ist nur dann zulässig, wenn die Patientin oder der Patient aus medizinischen Gründen die Therapeutin oder den Therapeuten nicht aufsuchen kann oder wenn sie aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist. Die Behandlung in einer Einrichtung (z. B. tagesstrukturierende Fördereinrichtung) allein ist keine ausreichende Begründung für die Verordnung eines Hausbesuchs.

Um Kindern mit (drohenden) Behinderungen gerecht zu werden, wurde 2011 eine Ausnahmeregelung festgeschrieben:

(2) „Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, gegebenenfalls darüber hinaus bis zum Abschluss der bereits begonnenen schulischen Ausbildung, ist ausnahmsweise ohne Verordnung eines Hausbesuches außerhalb der Praxis möglich, soweit die Versicherten ganztägig eine auf deren Förderung ausgerichtete Tageseinrichtung besuchen und die Behandlung in dieser Einrichtung stattfindet. Dies können auch Regelkindergärten (Kindertagesstätten) oder Regelschulen sein. Voraussetzung dafür ist, dass sich aus der Verordnung der Heilmittelbehandlung eine besondere Schwere und Langfristigkeit der funktionellen oder strukturellen Schädigungen sowie der Beeinträchtigungen der Aktivitäten ergibt. Dies soll in der Regel bei einem behördlich festgestellten Förderstatus angenommen werden. § 6 Absatz 2 darf dem nicht entgegenstehen.

 

Das bedeutet: Ausschließlich Kinder mit Integrationsstatus, die ganztags in die Kita gehen oder im Rahmen der Inklusion in eine Schule mit einer Ganztagsbetreuung besuchen, dürfen dort Therapie erhalten!

Ein geeigneter Raum und eine umfangreiche Materialausstattung werden dabei vorausgesetzt (Qualitätsanforderung der Krankenkassen).

as Bundessozialgesetz sichert Patienten dabei eine freie Therapeutenwahl zu.

Therapien in Einrichtungen für Regelkinder sind zur Zeit NICHT zulässig.

Sie als Praxisinhaberin riskieren bei Nichtbeachtung eine Vertragsstrafe, eine Rückzahlung der Vergütung und ihre Kassenzulassung.

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