Zur CSU-Forderung: Zuhause sollen Einwanderer deutsch reden

Einwanderer mitsamt ihrer Kinder sollen zu Hause nur deutsch sprechen – so lautete eine Forderung der CSU. Kritik hagelte es trotz Abschwächung auf die Formulierung: „Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben deutsch zu sprechen“.

Wir nehmen wie folgt Stellung:

Jenseits der politischen Ebene muss diese Forderung aus sprachwissenschaftlicher Sicht als grundsätzlich falsch zurückgewiesen werden. Wenn Eltern mit ihren Kindern in einer Sprache sprechen sollten, die sie selbst gerade lernen oder nur mangelhaft beherrschen, wären sie nicht in der Lage, ihre Gefühle, ihre Gedanken, letztlich all das, was ihre eigene Identität ausmacht, zu formulieren. Das genau ist aber die Grundlage dafür, dass eine Sprache als Muttersprache erworben werden kann. Kinder können durchaus parallel zwei, ja sogar drei Sprachen erlernen. Voraussetzung dafür ist, dass diese kompetent und nicht fehlerhaft vermittelt werden! Das gilt für den Sprachwerwerb von Kindern überall auf der Welt.

Pädagogische Einrichtungen und andere soziale Räume, in denen sicheres Deutsch gesprochen wird, bieten die zweite Sprache hinreichend gut an. Kommen schon sehr kleine Kinder hierher, werden sie einen simultanen Erwerb zweier Muttersprachen durchlaufen können.

Dramatisch ist nicht nur das Nichtwissen der Politik über kindliche Lern- und Entwicklungswege. Immer wieder wird vergessen, dass auch Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, Sprachentwicklungsstörungen aufweisen können. Dabei sind alle Sprachsysteme betroffen. Eine logopädische Therapie ist erforderlich, denn diese Kinder profitieren von keiner weiteren Förderung- und erst recht nicht von dem Tipp, dass Eltern eine ihnen fremde Sprache zu Hause sprechen sollen.

Würden solche, jeder wissenschaftlichen Kenntnis zuwiderlaufenden, Ideen in die Tat umgesetzt werden, hätte dies weitreichende gesamtgesellschaftliche Konsequenzen. Schon jetzt sind Schwierigkeiten bei der Integration von Jugendlichen mit schlechten Sprachkenntnissen hinreichend bekannt. Deutsch bleibt fremd und wird nicht richtig beherrscht. Dadurch entstehen Bildungsferne und Ghettoisierung. Das kann nicht Ziel einer verantwortungsvollen Bildungspolitik sein.

(Ausschuss Politik und Lobby: hjt, bp, dr)

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